Was dein Arbeitsweg wirklich kostet
Sprit ist nur die Spitze. Die Vollkosten überraschen die meisten.
Die Spritrechnung lügt
Wenn du grob überschlägst, was dich dein Arbeitsweg kostet, rechnest du vermutlich so: Liter pro 100 km, mal Spritpreis, mal Kilometer. Fertig. Das Ergebnis fühlt sich erträglich an. Genau deshalb pendeln so viele Leute Strecken, die sich finanziell überhaupt nicht lohnen.
Sprit ist der billigste Teil deines Arbeitsweges. Was wirklich zählt, ist alles, was du nicht auf der Tankquittung siehst.
Was beim Auto wirklich anfällt
Der ADAC und ähnliche Verbraucherorganisationen rechnen mit Vollkosten. Das ist die ehrliche Zahl. Pro gefahrenem Kilometer kommen je nach Fahrzeug grob 30 bis 60 Cent zusammen. Sprit ist davon nur ein kleiner Teil:
Sprit oder Strom. Der Posten, den jeder kennt. Etwa 8 bis 15 Cent pro km.
Wertverlust. Der größte und meist übersehene Posten. Jeder gefahrene Kilometer macht dein Auto weniger wert. Bei einem typischen Pkw oft 10 bis 20 Cent pro km.
Versicherung und Steuer. Fixkosten, die sich auf weniger Kilometer verteilen, wenn du nicht pendelst. Wer den Wagen nur fürs Pendeln hält, kann das voll in die Rechnung nehmen.
Wartung, Reifen, TÜV. Inspektion, Ölwechsel, Bremsen, Sommer- und Winterreifen. Skaliert direkt mit der Fahrleistung.
Parken. Wenn du am Arbeitsort zahlen musst, kommt das oben drauf. €5 Tagessatz mal 220 Arbeitstage sind €1.100 pro Jahr, ohne dass du dafür einen Meter fährst.
Wenn du es ernst meinst: nimm 40 Cent pro km als Daumenregel für einen durchschnittlichen Verbrenner. Bei großen oder neuen Fahrzeugen eher mehr, bei sparsamen Kleinwagen weniger.
ÖPNV: weniger Posten, aber rechnen lohnt sich auch
Bei Bus und Bahn ist die Kostenseite einfacher. Meistens ein Monats- oder Jahresticket. In Deutschland deckt das Deutschlandticket viele Pendler ab, in der Schweiz das Generalabonnement oder regionale Pässe.
Auch hier lohnt sich der ehrliche Blick:
Anschlusstickets. Wenn dein Job-Standort nicht vom Pauschalticket abgedeckt ist, kommen schnell zusätzliche Streckentickets dazu.
Letzte Meile. Park-and-Ride, Leihrad, gelegentlich Taxi bei Verspätung. Wird gern vergessen.
Zeit. Wer ÖPNV fährt, kann zwar nebenbei lesen oder arbeiten, aber die Wegzeit zählt trotzdem zur Zeit, in der du nicht frei bist.
Die teuerste Position: deine Zeit
Hier wird es ungemütlich. Eine Stunde Pendelzeit pro Tag (30 Minuten hin, 30 zurück) macht bei fünf Tagen pro Woche und 46 Arbeitswochen jährlich 230 Stunden. Das sind rund sechs volle 40-Stunden-Arbeitswochen, die du praktisch unbezahlt ableistest.
Bei 90 Minuten am Tag verdoppelt sich das. Drei Monate Vollzeit-Arbeit, jedes Jahr, nur fürs Hinkommen.
Deshalb ist „Job A zahlt €5.000 mehr pro Jahr, aber liegt 45 Minuten weiter weg" so oft ein schlechter Deal: die zusätzliche Zeit frisst den Gehaltsvorteil auf und du arbeitest effektiv für einen schlechteren Stundenlohn.
Ein konkretes Beispiel
Nehmen wir Anna. Auto, 25 km einfache Strecke, fünf Tage die Woche, €5 Parken am Arbeitsplatz:
50 km täglich × 220 Arbeitstage = 11.000 km/Jahr
11.000 km × 0,40 € Vollkosten = 4.400 € pro Jahr
220 Arbeitstage × 5 € Parken = 1.100 € pro Jahr
Summe Geld: 5.500 € pro Jahr
50 Minuten täglich × 220 = 183 Stunden Pendelzeit. Gut viereinhalb Arbeitswochen.
Wenn Anna 50.000 € netto im Jahr verdient, rechnet sie ihren Stundenlohn vermutlich als 50.000 / 1.760 = rund 28 €. Real ist es eher (50.000 − 5.500) / (1.760 + 183) = 23 €. Fast ein Fünftel weniger, als sie denkt.
Rechne deinen Echtlohn
Statt auf einem Bierdeckel zu schätzen: gib deine Zahlen einmal in unseren Rechner ein. Du siehst sofort, was dir vom Bruttogehalt nach Pendeln wirklich pro Stunde bleibt, und kannst zwei Jobs nebeneinander legen.
Häufige Fragen
Was kostet ein Kilometer mit dem Auto wirklich?
Je nach Fahrzeug, Alter und Laufleistung meistens 30 bis 60 Cent pro Kilometer. Sprit allein macht oft nur ein Drittel aus. Der Rest ist Versicherung, Wartung, Wertverlust, Steuer und Reifen.
Zählt Pendelzeit als Arbeitszeit?
Arbeitsrechtlich meistens nicht. Für deinen echten Stundenlohn aber schon: Zeit, in der du nicht frei bist, kostet dich Lebenszeit. Am ehrlichsten rechnest du sie zu den Arbeitsstunden dazu.
Kann ich Pendelkosten von der Steuer absetzen?
In Deutschland gibt es die Entfernungspauschale: 30 Cent pro km für die ersten 20 km, 38 Cent ab dem 21. km. Das senkt die Steuerlast, ersetzt aber nicht die tatsächlichen Kosten. Die Pauschale liegt meistens unter dem, was du wirklich ausgibst.
Lohnt sich ein günstiger Zweitwagen fürs Pendeln?
Nur selten. Versicherung und Steuer fallen doppelt an, Wartung und Reifen auch. Wenn überhaupt, dann ein kleines, sparsames, abgeschriebenes Fahrzeug. Und nur, wenn der erste Wagen sonst stillstehen würde.
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